„Brücken bauen zwischen Klinik und Praxis, Jung und Alt, Stadt und Land. Das ist mein täglicher Ansporn.“
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
zum Auftakt des Jahres 2026, wofür ich Ihnen auch noch alles Gute wünsche, beginnt für mich die Amts- und Gestaltungszeit als neue stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KV Sachsen. Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe und vor allem darauf, in Ihrem Sinne etwas zu bewegen.
In der Vertreterversammlung am 26. November 2025 bin ich mit einer überwältigenden Mehrheit von 29 Stimmen von 39 gewählt worden. Diese Unterstützung ehrt und verpflichtet mich gleichermaßen. Von Tag 1 an geht es für mich darum, die medizinische Versorgung in unseren Regionen bestmöglich zu sichern und die Niederlassung zu stärken.
Mein beruflicher Weg begann im Jahre 2000 mit der Facharztweiterbildung an der Uniklinik Leipzig an der Klinik für Neurologie. Nach 20 Jahren als Oberärztin, Chefärztin und ärztliche Direktorin an verschiedenen Kliniken hatte ich 2020 die Chance, eine neurologische Praxis zu übernehmen.
Die Entscheidung fiel mir überraschend leicht: Nach fachlicher Tiefe und Führungserfahrung war die eigene Praxis der logische nächste Schritt – mit der Freiheit, mich persönlich und kontinuierlich um meine Patientinnen und Patienten zu kümmern.
Ich habe es keinen Tag bereut, trotz Hürden und bürokratischer Fallstricke. Bei der Praxisübernahme habe ich hautnah erlebt, wie Bürokratie Zeit und Energie frisst und gute Ideen an Überregulierung und wenig praxistauglichen Prozessen scheitern. Hier gibt es viel Spielraum für besseren Service und gute digitale Prozesse.
Was ich aber in den letzten Jahren besonders gespürt habe: Die Rolle der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte ist gesellschaftlich zentral, wird aber nicht immer ausreichend wertgeschätzt. Engagement wird nicht belohnt, immer neue Bürokratie kostet unnötig Zeit, die uns am Patienten fehlt.
Mit umfassendem medizinischen Wissen im Rücken, meiner berufspolitischen Erfahrung beim Marburger Bund und einer großen Portion beherzter Entschlossenheit werde ich die vor uns liegenden komplexen Herausforderungen anpacken. Ich werde hinterfragen, Themen unvoreingenommen ansprechen und vor allem praktikable Lösungen suchen.
2026 wird dafür nicht leichter. Wir müssen die medizinische Versorgung sichern und zeitgleich ganz aktuell zum Beispiel mit den Auswirkungen des neuen Honorarverteilungsmaßstabes (HVM) im fachärztlichen Versorgungsbereich umgehen und diesen gegebenenfalls anpassen. Doch 2026 ist auch ein Jahr der Chancen: wenn wir Versorgung neu denken, mit kreativen Ansätzen, Mut zu neuen Wegen und ohne Tabus.
Grundsätzlich leiten mich vier zentrale Ziele für unsere gemeinsame Arbeit:
1. Versorgung sichern, Bürokratie senken: Wir müssen die Bürokratie senken und Prozesse verschlanken, um vor allem in strukturschwachen Regionen eine flächendeckende, qualitativ hochwertige Versorgung zu gewährleisten. Mehr Zeit für Medizin, weniger Formulare – durch schlanke digitale Verfahren und sinnvolle Dokumentationsstandards.
2. Nachwuchs gewinnen, Übergänge gestalten: Wir müssen den Nachwuchs für die Arbeit in Praxen begeistern – durch attraktive Einstiegsmodelle, verlässliche Weiterbildungsverbünde, finanzielle Planbarkeit und mehr Unterstützung bei Praxisübernahmen.
3. Digitalisierung mit Augenmaß umsetzen: Sinnvoll und praxisnah. Telemedizin und digitale Prozesse dort einsetzen, wo sie Wartezeiten verkürzen, Wege ersparen und Qualität erhöhen – immer mit fairem Ausgleich von Aufwand und Vergütung.
4. Starke Interessenvertretung, klare Positionen: Mit klaren Positionen, enger Vernetzung in der Politik und einer hörbaren Stimme gegenüber Kassen, Öffentlichkeit und Medien. Wir brauchen praxistaugliche und verlässliche Rahmenbedingungen, damit Versorgung flächendeckend bleibt. Viele Themen liegen auf dem Tisch. Wir müssen sie konstruktiv, aber fest vertreten.
Mein Verständnis als stellvertretende Vorstandsvorsitzende ist klar: Ziele transparent machen, respektvoll zusammenarbeiten, verbindlich umsetzen; Entscheidungen faktenbasiert und offen kommunizieren; Erfolge messen und aus Fehlern lernen; Brücken bauen zwischen Klinik und Praxis, Jung und Alt, Stadt und Land. Das ist mein täglicher Ansporn.
Das gelingt nur gemeinsam mit Herrn Dr. Windau als Vorstandsteam und mit unseren Mitgliedern, der Verwaltung, Kassen, Verbänden und Politik. Ich stehe dafür hochmotiviert bereit und werde mein Wissen, meine Erfahrung und meine Zielorientierung für die KV einbringen.
Ich freue mich sehr auf die kommende Zeit und möchte an dieser Stelle meiner Amtsvorgängerin Frau Dr. Sylvia Krug noch einmal sehr herzlich für ihr Engagement danken.
Auf ein gutes, dynamisches Jahr voller gewinnbringender Begegnungen und echtes Vorankommen.
Ich freue mich auf den Austausch mit Ihnen und eine fruchtbare Zusammenarbeit.
Ihre Manuela Sipli
