Mit einem kleinen Festakt startete am 16. Juni 2025 der erste Absolvent des Modellprojekts „Studieren in Europa – Zukunft in Sachsen“ offiziell in seine praktische Tätigkeit als Facharzt für Allgemeinmedizin. Die KV Sachsen war bei diesem Termin dabei und hatte die Gelegenheit, ein Interview mit dem Jungmediziner zu führen.

An diesem Montagvormittag herrscht großer Andrang auf dem Praxisgelände im Zwickauer Ortsteil Mosel. Allerdings sind es dieses Mal keine Patienten, die den Weg in die Altenburger Straße gefunden haben, sondern zahlreiche Freunde und Bekannte von Herrn dr. med. (Univ. Pécs)  Maximilian Braun. Auch viele Gäste aus der sächsischen Gesundheits- und Kommunalpolitik sind nach Mosel gekommen. Denn dr. Braun ist der erste Absolvent des innovativen Modellprojekts „Studieren in Europa – Zukunft in Sachsen“, der nun offiziell seine praktische Tätigkeit aufgenommen hat.

Das Projekt, das bereits im Jahr 2013 von der KV Sachsen initiiert wurde, fördert seit seinem Bestehen zusammen mit den sächsischen Krankenkassen und seit 2020 auch gemeinsam mit dem Sächsischen Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt jährlich bis zu 40 Studenten, die an der Universität im ungarischen Pécs das Studium der Humanmedizin aufnehmen. Diese verpflichten sich dazu, anschließend als Ärztin bzw. Arzt im ländlichen Raum Sachsens tätig zu werden.

Praxisstart mit großer Resonanz

Unter den Gästen der Veranstaltung waren die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KV Sachsen, Dr. med. Sylvia Krug, Staatsministerin Petra Köpping, Landrat Carsten Michaelis und Carmen Baumgart, Ressortleiterin Vertragsärztliche Versorgung der KV Sachsen, vertreten. Im Rahmen eines moderierten Gesprächs zum Projekt und der medizinischen Versorgungssituation in Sachsen gab es einen intensiven Austausch aller Beteiligten mit Herrn dr. Braun und dem Praxisinhaber Norman Seidel. Zum Termin waren zudem zahlreiche regionale Medienvertreter aus Fernsehen, Hörfunk und Tagespresse geladen – bei der anschließenden Berichterstattung fand der Praxisstart von Herrn dr. Braun ein breites Echo in der sächsischen Presse.

In ihrer Eröffnungsrede hob Frau Dr. Krug noch einmal die Bedeutung des Projekts als zukunftsfähiger Multiplikator gegen den Ärztemangel in der Region hervor: „Mit Ihrer Unterstützung und unserem gemeinsamen Einsatz können wir die Zukunft der medizinischen Versorgung in Sachsen weiter voranbringen – auf dem Land, in den Gemeinden und vor allem: für die Menschen in der Region. Denn diesen müssen und wollen wir weiterhin eine gute medizinische Betreuung ermöglichen!“ Das Projekt sei ein weiterer, wichtiger Baustein unter den zahlreichen Förderangeboten der KV Sachsen, um der anhaltend prekären medizinischen Versorgungslage auf dem Land entgegenzuwirken – eine nachhaltige Investition in die Zukunft, die nun Früchte trägt.


Im Interview

Studium in Ungarn – Zukunft in der Heimat

Nach seinem Studium der Humanmedizin in Pécs und der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin am Rudolf-Virchow-Klinikum in Glauchau ergab sich für den 33-jährigen Mediziner die Möglichkeit, künftig in seiner Heimat in einer Nebenbetriebsstätte der Praxis Norman Seidel tätig zu werden. Damit ist dr. Braun der erste fertig ausgebildete Praxiseinsteiger aus dem Projekt, der nun aktiv zur Sicherung der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum Sachsens beitragen wird.

Wir hatten die Gelegenheit, Herrn dr. Braun einige persönliche Fragen zu seinem Studium und zu seinem Praxisstart zu stellen:

Herr dr. Braun, was hat Sie motiviert, sich für den Arztberuf zu entscheiden?

Ich bin da mehr oder weniger hineingeboren worden. Sowohl mein Vater als auch mein Großvater waren Hausärzte. Beide haben mir diesen Beruf quasi vorgelebt. Bereits im Schulpraktikum habe ich da mit reingeschnuppert und so stand für mich schon von Anfang an fest, dass ich da auch irgendwann einmal in ihre Fußstapfen treten würde.

Sie sind nun in der ehemaligen Praxis Ihres Vaters tätig.

Die Praxis hier in Mosel hat ursprünglich sogar meinem Großvater gehört. Mein Vater hatte eine eigene Praxis im Nachbarort und später wurde daraus eine Gemeinschaftspraxis mit zwei Standorten. Und somit war dann letztendlich auch mein Vater hier in Mosel tätig.

Sie sind der erste Absolvent aus dem Modellprojekt „Studieren in Europa – Zukunft in Sachsen“. Wie haben Sie von diesem Projekt erfahren?

Mein Großvater hatte von dem Projekt gelesen und mich darauf aufmerksam gemacht. Zum damaligen Zeitpunkt studierte ich bereits in Ungarn – noch bevor das Programm gestartet wurde.

Daraufhin habe ich mich entschieden, mich für das Projekt zu bewerben. Postwendend erhielt ich eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch bei der KV Sachsen in Dresden und schließlich wurde ich in das Programm noch mit aufgenommen.

Wie würden Sie das Studium in Pécs beschreiben und was blieb Ihnen dabei besonders in Erinnerung?

Das Studium ist äußerst praxisorientiert und alles läuft sehr strukturiert ab. Dazu gibt es feste Klassenstufen und feste Seminargruppen. Auch hat man keine Schwierigkeiten, in Kurse hineinzukommen. Denn vieles ist von der Uni fest vorgeschrieben, z. B. wer wann, wie und wo zum Unterricht zu sein hat.

In guter Erinnerung bleiben wird mir ganz besonders das fast schon familiäre Verhältnis der Studierenden untereinander. Da gab es keinen Konkurrenzkampf. Und wenn man so weit weg von zu Hause studiert, ist es besonders wichtig, wenn man sich wie in einer Art Familie wiederfinden kann, die einem Halt gibt.

Natürlich gehört auch ein gewisses Durchhaltevermögen dazu, das die Studierenden mitbringen müssen. Wenn man sich dazu entschließt, das Studium in Pécs anzugehen, dann sollte man das mit dem Wissen machen, dass es nicht unbedingt leicht wird.

War es denn für Sie von besonderer Bedeutung, in Ihrer Heimatregion tätig zu werden? Oder hätten Sie sich auch vorstellen können, anderswo in Sachsen zu arbeiten?

Für mich persönlich ist es natürlich von ganz besonderer Bedeutung, hier in meiner Heimat tätig zu sein. Es hat schon etwas sehr Sentimentales, jetzt in den Räumen zu sitzen, wo schon mein Vater und mein Großvater gearbeitet haben. Aber wenn es jetzt mit der Praxis hier in Mosel nicht geklappt hätte, weil der vorherige Praxisinhaber nicht zufälligerweise aufgehört hätte, dann hätte ich wahrscheinlich irgendwo anders genauso den Beruf aufgenommen.

Worin sehen Sie denn die größten Herausforderungen für sich als junger Praxiseinsteiger und wie haben Sie diese gemeistert?

Das Schwierigste beim Einstieg in die Praxis ist mehr oder weniger das ganze Organisatorische. An sich ist natürlich das ambulante Arbeiten in der Praxis erstmal etwas komplett anderes als die Arbeit in der Klinik. Denn dort hat man viel größere diagnostische Möglichkeiten. Und wenn man das dann alles nicht mehr hat, dann ist das zunächst ein großer Umstieg. Da ist es – wie in meinem Falle – natürlich ideal, wenn man einen verlässlichen Ansprechpartner wie Herrn Seidel hat, mit dem man sich zu vielen Themen einfach austauschen kann.

Sie sind aktuell im Angestelltenverhältnis bei Herrn Seidel tätig. Denken Sie perspektivisch auch an eine eigene Niederlassung?

Ich habe mich zum jetzigen Zeitpunkt für eine Anstellung entschieden. Ich fand das zunächst ein bisschen entspannter – vor allem, weil meine Kinder noch klein sind. Ob ich mich dann letztendlich entschließen werde, mich in den jetzigen Räumlichkeiten auch selbstständig zu machen, das ist bislang noch offen. Also mal schauen, wie sich das die nächsten Jahre über so entwickelt.

Kommen wir abschließend noch einmal auf das Projekt zu sprechen. Könnten Sie sich vorstellen, selbst als Patenarzt für Studierende aus dem Programm in Aktion zu treten?

Herr Seidel ist ein sehr guter Ausbilder. Er hat mir alle Aspekte des Hausarztseins nähergebracht, egal ob das strukturelle Dinge waren oder beispielsweise der Bereitschaftsdienst. Er hat meine Ausbildung auf vielen Ebenen eng begleitet, mich jedoch stets meine eigenen Erfahrungen sammeln lassen. Das ist auch genau das, was ein Ausbilder mit sich bringen muss: Dass er dieses selbstständige Arbeiten gezielt fördert.

Aber auch für den Ausbilder ist es ungemein wichtig, sich Auszubildende in die Praxis zu holen – einfach, weil man permanent selbst neue Sachen dazulernt. Das finde ich wirklich wertvoll und aus diesem Grund kann ich mir auch gut vorstellen, später selbst einen Assistenzarzt mit ins Boot zu holen. Letztlich ist es natürlich wichtig, dass man jemanden findet, der auch menschlich gut zu einem passt, man sozusagen auf derselben Wellenlänge liegt … was, wie auch in meinem Falle, ein unglaublicher Vorteil ist!

Herr dr. Braun, wir danken Ihnen für das Gespräch!

„Es hat schon etwas sehr Sentimentales, jetzt in den Räumen zu sitzen, wo schon mein Vater und mein Großvater gearbeitet haben.“

Kommunikation/rei