Am 11. März 2026 lud die KV Sachsen zu „KVimpuls 2026“ in den Löwensaal in Dresden ein. Unter dem Leitthema „Wege zu einer zukunftsfähigen ambulanten ärztlichen Versorgung“ diskutierten Vertreter aus Politik und Gesundheitswesen darüber, wie die Sicherung der medizinischen Versorgung zukünftig gelingen kann. 

Zum Auftakt von „KVimpuls 2026“ stellte die Moderatorin der Veranstaltung, Dr. Stephanie Rohac, die Lage der ambulanten Versorgung als drängende Zukunftsfrage dar. Sie verwies auf unbesetzte Hausarztstellen, eine alternde Ärzteschaft und den steigenden Versorgungsbedarf, vor allem in ländlichen Regionen. Die zentrale Leitfrage des Abends lautete damit: Wie kann die ambulante medizinische Versorgung bis 2035 so weiterentwickelt werden, dass sie patientenorientiert, bezahlbar und verlässlich bleibt?

Erste Impulse: Begrüßung und Vortrag

Dr. Manuela Sipli, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KV Sachsen, benannte in ihren einführenden Worten vor allem drei Stoßrichtungen: mehr Prävention, mehr sinnvolle Digitalisierung und neue Versorgungsmodelle. Sie beschrieb Prävention als ein Bereich, der im Gesundheitssystem bislang zu wenig Gewicht hat, obwohl er medizinisch sinnvoll und wirtschaftlich entlastend wirken könne. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz ordnete sie grundsätzlich als Chance ein – etwa für bessere Informationsflüsse, weniger Bürokratie und eine gezieltere Steuerung von Patienten.

Auch Prof. Stephen Gilbert, Professor für Medical Device Regulatory Science am Else Kröner Fresenius Zentrum (EKFZ) für Digitale Gesundheit an der TU Dresden, hob in seinem Impulsvortrag die Potenziale digitaler Medizin hervor, warnte aber zugleich vor schlecht überprüften Anwendungen ohne nachgewiesenen Nutzen. Er betonte, dass digitale Lösungen nur dann einen echten Nutzen entfalten, wenn sie sicher, evidenzbasiert und in die tatsächliche Versorgung eingebunden sind.

Podiumsdiskussion: Wege zu einer zukunftsfähigen ambulanten ärztlichen Versorgung

Unter der Moderation Frau Dr. Rohacs diskutierten auf dem Podium:

  • Dorothee Obst, Bürgermeisterin der Stadt Kirchberg, Mitglied des Kreistages, Freie Wähler

  • Tom Unger MdL, CDU-Fraktion im Sächsischen Landtag, Mitglied des Ausschusses für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt 

  • Peter Voigt, Referatsleiter Ambulante Versorgung des Landesvertretung Sachsen des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek)

  • Dr. Stefan Windau, Vorstandsvorsitzender der KV Sachsen

Die Diskussionsrunde wurde immer wieder durch einen der folgenden Gäste erweitert.

  • Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer

  • Dr. Andrea Brockel, Fachärztin für Allgemeinmedizin

  • Janko Haft, Vorstandsmitglied der Krankenhausgesellschaft Sachsen, Kaufmännischer Vorstand des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden

  • Dr. Markus Reichel MdB, CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Mitglied des Ausschus-ses für Arbeit und Soziales

Die Podiumsdiskussion machte deutlich, dass die Herausforderungen nicht allein technisch lösbar sind. Immer wieder ging es um die Frage, wie Versorgung künftig besser gesteuert, koordiniert und zwischen ambulantem und stationärem Bereich verzahnt werden kann. Diskutiert wurden unter anderem das angedachte Primärarztsystem, verbindlichere Regelungen in der Notfallversorgung und sektorenverbindende Modelle, die vor allem in Sachsen erprobt werden könnten. Mehrere Beiträge machten deutlich, dass Versorgung nicht nur an Geld, sondern auch an Zuständigkeiten, Strukturen und fehlender Verbindlichkeit scheitert.

Aus Sicht der KV Sachsen wurde die ambulante Versorgung als tragende Säule des Systems beschrieben – nicht nur wegen ihrer medizinischen Funktion, sondern auch wegen ihrer sozialen Bedeutung, der Kontinuität in der Betreuung und ihrer besonderen Rolle im ländlichen Raum. Die Vertreter aus Politik und Krankenkassen betonten die Notwendigkeit neuer Rahmenbedingungen, sektorenübergreifender Zusammenarbeit und besserer Versorgungssteuerung. Aus kommunaler Perspektive wurde geschildert, wie deutlich die Folgen fehlender Nachfolge und langer Wege im Alltag bereits spürbar sind. Aus der ärztlichen Praxis kam zudem der Hinweis, dass funktionierende Versorgung nicht nur von Ärztinnen und Ärzten abhängt, sondern ebenso von qualifizierten Praxisteams und alltagstauglicher Entlastung. 

Resümee und Ausblick

Unterm Strich stand ein gemeinsamer Befund: Die ambulante Versorgung in Sachsen steht vor tiefgreifenden Veränderungen, und der Reformdruck ist hoch. Einigkeit bestand darin, dass es ohne mehr Prävention, bessere Steuerung, praxistaugliche Digitalisierung und engere Kooperation nicht gehen wird. „KVimpuls 2026“ verstand sich dabei nicht nur als Diskussionsforum, sondern ausdrücklich als Plattform, um politische, medizinische und organisatorische Lösungsansätze zusammenzuführen.


Kommunikation/rab