Am 4. November 2025 machte die Wanderausstellung „Systemerkrankung. Arzt und Patient im Nationalsozialismus“ der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in Chemnitz Halt. Begangen wurde dies mit einer feierlichen Eröffnungsveranstaltung und bewegenden Grußworten.

Dr. Sylvia Krug, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KV Sachsen, drückte in ihrer Begrüßungsrede besonders ihre Dankbarkeit aus: „Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat sich der Geschichte ihrer Vorgängerorganisation, der Kassenärztlichen Vereinigung Deutschlands, aktiv gestellt und damit Verantwortung übernommen. Verantwortung, die Rolle der Ärzteschaft im Nationalsozialismus zu hinterfragen. Verantwortung, ihre Verbrechen zu benennen und aufzuarbeiten. Und die Verantwortung, das Gedenken an die unzähligen Opfer wachzuhalten.“

Die Worte Albrecht Pallas‘, Vizepräsident des Sächsischen Landtags, bewegten und motivierten noch einmal mehr zum Erinnern an die schrecklichen Taten in der Zeit des Nationalsozialismus – auch der Ärzteschaft. Herr Pallas verdeutlichte, welch große Verantwortung im Arztberuf liegt und dass die Medizin nie wieder für eine verbrecherische Ideologie missbraucht werden darf.

„Erinnerung ist nicht Vergangenheit, Erinnerung ist Gegenwart. Sie entscheidet darüber, wie wir heute unsere Verantwortung verstehen. Und wir sind es den Opfern schuldig, dass wir ihre Geschichten nicht vergessen.“

Albrecht Pallas, vierter Vizepräsident des Sächsischen Landtags 

Das Grußwort von Ralph Burghart, Bürgermeister für Personal, Finanzen und Bildung der Stadt Chemnitz, half, das Thema aus einem regionalen Blickwinkel zu betrachten – sowohl die Vergangenheit als auch die Gegenwart, besonders in diesem bedeutenden Jahr für Chemnitz als Kulturhauptstadt Europas. Herr Burghart betonte, dass auch in einer Zeit der Vielfalt und der Begegnung die schrecklichen Taten des Nationalsozialismus gesehen werden müssen.

Besonders berührt haben an diesem Abend die persönliche Lebensgeschichte, die Botschaften und Aufrufe der Zeitzeugin Renate Aris. Sie hat die Zeit des Nationalsozialismus mit einem jüdischen Elternteil er- und überlebt – als eine von wenigen Jüdinnen und Juden in Dresden. Frau Aris engagiert sich sehr in der jüdischen Gemeinde in Chemnitz, wo sie seit den 1980ern lebt, und gegen das Vergessen der unsäglichen Verbrechen der NS-Zeit.

Mit Sjoma Liederwald war auch einer der Kuratoren der Ausstellung zu Gast. Seine Ausführungen gaben einen interessanten Einblick in die Genese des Forschungsprojekts sowie der daraus entstandenen Ausstellung.

Im Anschluss an die Redebeiträge wurde die Gelegenheit genutzt, gemeinsam mit Herrn Liederwald, der für weitere Hintergrundinformationen zur Verfügung stand, die Ausstellung zu besichtigen und mit allen Gästen ins Gespräch zu kommen.

Noch bis Ende November zu Gast

Die Ausstellung ist bis zum 27. November 2025 in Chemnitz zu sehen. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Weitere Informationen finden Sie hier.

Bildergalerie

Alle Fotos von der Ausstellungseröffnung können hier heruntergeladen werden.

Bericht von der Eröffnung

Kommunikation/rab