Seit einigen Jahren hat Weißwasser mit einer angespannten Situation in der ärztlichen Versorgung zu kämpfen. Nun beschreitet die KV Sachsen neue Wege bei der ärztlichen Nachwuchsgewinnung und kooperiert mit dem Eishockeyclub (EHC) „Lausitzer Füchse“. Drei Ärzte aus der Region schildern beispielhaft die Situation, die kontinuierlichen Bemühungen um den ärztlichen Nachwuchs und ihre Erfahrungen.

Die Stadt

Weißwasser in der Oberlausitz ist Große Kreisstadt und die drittgrößte Stadt im Landkreis Görlitz. Als Wahrzeichen gilt der im Jahr 1910 fertiggestellte Wasserturm in der Bautzner Straße. Viele Jahrzehnte lang war die Stadt von der Glasindustrie geprägt. Nach dem Aufstieg vom bäuerlich geprägten Heidedorf zur Industriestadt erlebte Weißwasser einen sozialen Wandel, durch den innerhalb eines Zeitraums von weniger als 50 Jahren die Bevölkerung von 19.000 Einwohnern auf über 38.000 anwuchs und inzwischen auf ca 15.000 im Jahr 2021 zurückfiel.

Die Versorgungssituation

Der strukturelle Wandel ist in vielen Bereichen in der Region spürbar, darunter auch in der ärztlichen Versorgung. Im Planungsbereich Weißwasser sollen 19 Allgemeinmediziner tätig sein, davon sind zehn Stellen nicht besetzt. Das Durchschnittsalter der niedergelassenen Ärzte beträgt 60 Jahre – ein Grund mehr für die KV Sachsen, ihre vielfältigen Aktivitäten zur ärztlichen Nachwuchsgewinnung zu intensivieren. Neben zahlreichen Unterstützungsmöglichkeiten für niederlassungswillige Ärztinnen und Ärzte fördert die KV Sachsen auch den Dialog mit dem Kreiskrankenhaus Weißwasser und der CTK-Poliklinik GmbH, einem Tochterunternehmen des Carl-Thiem-Klinikums, in Cottbus.

Die Kooperation

Die Menschen in der Region begeistern sich seit Jahrzehnten für den Eishockeysport und spüren dadurch einen starken Zusammenhalt. Bekanntermaßen stellte zu DDR-Zeiten die Eishockeymannschaft aus Weißwasser die eine Hälfte der DDR-Eishockey-Oberliga. Mit der Begeisterung speziell für die „Lausitzer Füchse“ soll die Aufmerksamkeit von Medizinstudenten oder Ärzten in Weiterbildung auf die Region Weißwasser gelenkt werden. Eine große Rolle spielt dabei das Gesicht der Kampagne, Sebastian Klenner. Der ehemalige Eishockeynationalspieler aus Weißwasser studierte nach Beendigung seiner Profikarriere Medizin in Dresden und wird jetzt als Arzt in Weiterbildung in seine Heimat zurückkehren.

 

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Die KV Sachsen unterstützt Sie

  • eine Niederlassung in Weißwasser wird mit bis zu 100.000 Euro gefördert

  • Garantie eines Mindestumsatzes

  • Unterstützung beim Einstieg in die vertragsärztliche Tätigkeit und beim Aufbau der Praxisprozesse

Alle Fördermöglichkeiten

Die Ärzte

Sebastian Klenner wurde 1976 in Weißwasser geboren und war bis 2014 Profispieler bei den „Lausitzer Füchsen“. „Es freut mich natürlich sehr und ich bin stolz, Teil der Kampagne zu sein. Es ist meiner Meinung nach äußerst wichtig, sich für die Region zu engagieren und zu zeigen, dass es voran geht.“ Medizin zu studieren und als „Landarzt“ zu arbeiten, sei schon sein Kindheitstraum gewesen, sagt er. „Es gibt sehr viele Menschen, die auf Hilfe durch unser Gesundheitssystem angewiesen sind. Diesen Patienten eine wirklich gute Versorgung zu ermöglichen, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Um dies zu schaffen, müssen alle Beteiligten sehr gut zusammenarbeiten und flexible Lösungen anbieten. Ich finde es gut, Patienten längerfristig zu begleiten und auch einen präventiven Einfluss ausüben zu können.“

Der Arzt in Weiterbildung will im Sommer mit seiner Familie zurück nach Weißwasser ziehen. Ein Großteil seiner Familie wohnt noch dort. Und es gibt noch eine besondere sportlich-medizinische Verbindung. „Der Mannschaftsarzt der ‚Lausitzer Füchse‘, Dr. Dreier, war auch schon mein Hausarzt, als ich dort gewohnt und gespielt habe. Er ist für mich ein sehr guter Mentor geworden.“ Seine ärztliche Weiterbildung wird Sebastian Klenner ab Juli 2023 bei ihm in der Praxis fortsetzen.

„Den Nachwuchs zu fördern und zu fordern ist ein wichtiger Auftrag in unserer gesamten Gesellschaft. Die Förderung durch das Sächsische Hausarztstipendium hat mir sehr geholfen, mein Studium mit Familie durchzuführen. Auch wurde durch die Jahrgangstreffen und bereitgestellte Informationen ein guter Leitfaden für die gesamte Ausbildungszeit gegeben. Es hat auch ein Wir-Gefühl erzeugt.“

Sebastian Klenner

Dr. Karl-Heinz Dreier ist Facharzt für Allgemeinmedizin und hatte sich 1991 in Weißwasser niedergelassen. Der heute 64-Jährige wurde in Barth in Mecklenburg-Vorpommern geboren. „Ich wurde zu DDR-Zeiten hierher entsandt und bin seither mit der Region und den Menschen eng verbunden. Aus der zu damaligen Zeiten üblichen Lenkung in Ort und Fachrichtung habe ich das Beste gemacht.“ Dies sei fast allen Kollegen seiner Generation so gelungen, sagt er voller Respekt. Die Bezeichnung Mannschaftsarzt sei für ihn eher emotional, „denn bei den Spielen stehe ich nicht an der Bande; das dürfen nur Ärzte mit BG-­Zulassung“, erklärt Dr. Dreier. Doch er arbeite bei den jährlichen Tauglichkeitsuntersuchungen für die laufende Saison mit. Seine Niederlassung startete er in der Nähe der Eishalle in der ehemaligen Stadtambulanz der Poliklinik, bis dann das Praxis­zentrum am Eisstadion gebaut wurde. „Ich wollte eigentlich Orthopäde werden, doch der Facharzt für Allgemeinmedizin war damals in der Bedarfsplanung das wichtigere Erfordernis. Er hat mir viele Vorteile beschieden: Man kann neben den typischen Aufgaben der Hausarztmedizin seine Interessen für andere Fachgebiete einbringen – ich behandle z.B. meine Patienten auch mittels Chirotherapie und Akupunktur. Der Facharzt für Allgemeinmedizin hat eine große soziale Kompetenz, die er in seine Arbeit einbringen muss, er ist angesehen und wird niemals arbeitslos, das Einkommen hat sich im Vergleich zu anderen Fachrichtungen deutlich verbessert, und ein großer Vorteil ist die eigenverantwortliche Arbeit ohne Chef!“, betont er. Warum er sich für den ärztlichen Nachwuchs engagiere? „Als Student und junger Arzt wurde ich oft uneigennützig von erfahrenen Kollegen unterstützt und beraten, davon habe ich viel profitiert, und ich habe das nicht vergessen. Heute ist es mir eine Ehre und Verpflichtung zugleich, wenn ich jungen, engagierten Kollegen helfen kann.“

„Jeder junge Mediziner sollte sich bewusst machen, warum er das Studium angetreten hat und wie er diese Argumente mit den aktuellen Herausforderungen in die Realität umsetzen will. Niemand sagt zu Beginn eines langen Studiums mit nachfolgender Facharztausbildung, dass es leicht werden wird, aber woran will ein junger Kollege oder eine junge Kollegin denn wachsen, wenn nicht an Schwierigkeiten und Herausforderungen, die der Alltag bietet.“

Dr. Karl-Heinz Dreier

Wie Dr. Dreier und viele ärztliche Kolleginnen und Kollegen engagiert sich auch Dr. Lutz Buschmann schon seit vielen Jahren in der Region. Er organisiert u.a. regelmäßig den Ärztestammtisch in Weißwasser und fördert damit Erfahrungsaustausch und Informationsangebote. Zudem ist er im Regionalausschuss Dresden der KV Sachsen tätig mit dem erklärten Ziel, der ärztlichen Unterversorgung entgegenzuwirken. Auch im Ärzte-Netz Ostsachsen und im Weiterbildungsverbund Ostsachsen ist er aktiv. „Unter anderem kümmert sich das Netzwerk darum, die Aufmerksamkeit der Medizinstudenten auf die Landkreise Bautzen und Görlitz zu lenken. Zum Beispiel werden jedes Jahr Studierende für ein verlängertes Wochenende eingeladen, um ihnen die Region besonders mit ihren Vorzügen aufzuzeigen“, erklärt er.

Dr. Buschmann wurde 1960 in Bautzen geboren. Er ist Praktischer Arzt, Facharzt für Anästhesiologie sowie Facharzt für Gefäßerkrankungen. Seit 1998 liegt seine Niederlassung direkt neben dem Krankenhaus Weißwasser. Er fühlt sich der Region eng verbunden. Seine Tochter arbeitet mit in der Praxis. „Es ist eine geographisch schöne Region, Dresden, Berlin, Bautzen sind nicht so weit entfernt. Es gibt viel Kultur zu erleben, z.B. in Bad Muskau – ein Weltkulturerbe. Die Menschen sind offen und bereit, sich für verschiedene Dinge zu engagieren, wie z.B. im Rotaryclub Weißwasser. Für Familien gibt es ausreichend gute soziale Einrichtungen. Ausbildungs- und Betreuungsmöglichkeiten sind problemlos abgesichert. Der Zusammenhalt unter den Menschen scheint mir in einer Kleinstadt enger zu sein. Ich engagiere mich gern hier, auch ein wenig aus persönlichem Interesse – auch ich werde alt und brauche – ebenso wie meine Familie – auch zukünftig einen Hausarzt.“

„Arzt ist ein krisensicherer Job, er ist sehr vielseitig. Auch als Hausarzt kann man sich spezialisieren, an Studien teilnehmen und damit in der Forschung mitarbeiten. Durch die Vernetzung gibt es viel mehr Möglichkeiten als vor 30 Jahren – und damit kann die ländliche Region für junge Mediziner reizvoll sein. Leben ist hier ruhiger als in der Großstadt, was auch positive Auswirkungen auf das Familienleben hat.“

Dr. Lutz Buschmann

 

Kampagnenvideos

Die Nachwuchsförderung

Um Interessenten frühzeitig mit den Möglichkeiten, die ein Medizinstudium bietet, bekannt zu machen und mit den Schülern der 11. und 12. Klassen ins Gespräch zu kommen, beteiligt sich Dr. Buschmann an Veranstaltungen zur Studienorientierung am Gymnasium in Weißwasser. Dabei schöpft er aus seinen eigenen Erfahrungen und erklärt Vor- und Nachteile des Arbeitens im Krankenhaus bzw. in der eigenen Praxis, zeigt Möglichkeiten für Praktika und Facharztausbildung vor Ort auf und führt Gespräche auch mit den Eltern der Schüler.

Dr. Dreier begeistert sich insbesondere für das Projekt „Studieren in Europa – Zukunft in Sachsen“. „Ich war auch schon selbst in Pécs, um bei den jungen Studenten für die Region Weißwasser zu werben. Derzeit gibt es tatsächlich drei Studentinnen und vier Studenten aus Weißwasser und dem direkten Umland, die in Pécs studieren. Ich sehe gute Chancen, dass zumindest einige in ihre Heimat zurückkehren“, zeigt er sich optimistisch.

In Weißwasser und Umgebung engagieren sich zunehmend Ärztinnen und Ärzte als Weiterbilder. Vier junge Mediziner absolvieren derzeit ihre Weiterbildung in der Region. „Für mich ist Hausarzt der schönste Beruf, das sollte er auch für den Weiterzubildenden werden. Ich würde den Beruf noch einmal wählen, wenn ich mich noch einmal entscheiden müsste“, so Dr. Dreier. Die Begeisterung für den Medizinerberuf teilt er zum Beispiel auch mit Dipl.-Med. Roswitha Lehmann, Dipl.-Med. Kornelia Seidel und Dipl.-Med. Petra Rudtsch, die Ärzte in Weiterbildung aufgenommen haben. Weitere Ärztinnen haben die Weiterbildungsbefugnis beantragt. Sie wollen die jungen Mediziner möglichst dazu bewegen, sich künftig in der Region Weißwasser niederzulassen.

Fördermöglichkeiten in der Region

Die Kampagne mit den „Lausitzer Füchsen“ verbindet sich mit einer Vielzahl von Fördermöglichkeiten, die niederlassungs­willige Ärzte in Anspruch nehmen können. Seit 2016 stellt die KV Sachsen gemeinsam mit den Krankenkassen umfangreiche Fördermittel, darunter Förderpauschalen bis 100.000 Euro und die Garantie eines Mindestumsatzes, für die Gewinnung und Niederlassung von Haus- und Fachärzten für die Region Weißwasser bereit. Die KV Sachsen leistet Unterstützung beim Einstieg in die vertragsärztliche Tätigkeit und beim Aufbau der Praxisprozesse. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützt sie auch die Familien der niederlassungswilligen Ärzte bei der Bewältigung der persönlichen Belange, z.B. bei der Wohnungs­suche. Seit rund sechs Jahren ist Weißwasser auch „Modellregion für die zukunftsfähige medizinische Versorgung im ländlichen Raum“.

Fazit

Die KV Sachsen geht davon aus, dass die Bündelung der Kräfte vor Ort und auch die Zusammenarbeit mit dem Eissportverein zur Verbesserung der medizinischen Versorgung in Weißwasser und Umgebung beitragen wird. Der Dank geht an alle Partner und an alle Ärzte vor Ort für ihr großes Engagement, sich für die ärztliche Versorgung, die Weiterbildung und die Nachwuchsgewinnung in der Region einzusetzen. Der Dank gilt ebenso den „Lausitzer Füchsen“, die sich als sportliches Aushängeschild der Oberlausitz dafür einsetzen, dass die Attraktivität der Region erhalten bleibt.

Öffentlichkeitsarbeit/pfl

veröffentlicht am 20. Juni 2023