KV Sachsen startet innovatives Versorgungsprojekt

Am 2. Februar 2024 stellten Staatsministerin Petra Köpping und die Vorstände der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen in Oderwitz das in Deutschland bislang einmalige Projekt zur Sicherstellung der dermatologischen Versorgung im Gebiet Löbau-Zittau vor.

Die Region Ostsachsen, insbesondere das Gebiet Löbau-Zittau, ist im dermatologischen Bereich seit einiger Zeit von einer Unterversorgung betroffen. Praxisnachfolger und Ärzte in Weiterbildung sind für die Region schwer zu gewinnen. Als ein zusätzlicher Baustein innerhalb der vertragsärztlichen Versorgung gewährleistet daher die neue telemedizinische Struktur eine dermatologische Diagnosestellung und Behandlung in der Hausarztpraxis vor Ort.

In diesem Zuge erhalten Hausarztpraxen die Möglichkeit, eine digitale Beratung (Telekonsil) bei einem ortsunabhängig tätigen Dermatologen anzufordern und damit bei der Behandlung von Patienten jederzeit fachliche Expertise hinzuzuziehen. Dazu werden die teilnehmenden Hausarztpraxen mit der entsprechenden sicheren Hard- und Software ausgestattet.

Am 2. Februar stellten Staatsministerin Petra Köpping und die Vorstände der KV Sachsen gemeinsam mit dem Oderwitzer Hausarzt Dr. med. Gottfried Hanzl das neue Versorgungsprojekt in dessen Praxis vor. Dr. Hanzl setzt diese telemedizinische Behandlungsform als Initiator bereits erfolgreich in seiner Praxis um und zeigte die technische Funktionsweise anhand eines exemplarischen Behandlungsablaufes auf.

Dabei scannt und fotografiert der Hausarzt mithilfe einer mikroskopischen Lupe und eines Tablets auffällige Hautstellen der Patienten. Danach werden die Bilder direkt an die ortsunabhängig tätigen Dermatologen übermittelt. Von diesen Fachärzten erhält der Hausarzt nach kurzer Zeit eine Rückantwort mit ausführlicher Beurteilung, Diagnose und Therapieempfehlung. So kann er den Patienten unmittelbar vor Ort selbst weiterbehandeln. Bei medizinischer Notwendigkeit kann die Weiterbehandlung schwerwiegender Hautkrankheiten per Überweisung durch die projektbeteiligten Dermatologen aus den umliegenden Regionen erfolgen.

Die ortsunabhängig tätigen Dermatologen sowie die dafür erforderliche Technik stellt die Firma e-Derma UG, ein Anbieter für Teledermatologie, unter der ärztlichen Leitung von Dr. med. Ivo Hohlfeld zur Verfügung. e-Derma blickt auf 10 Jahre Erfahrung auf dem Gebiet der Teledermatologie zurück. Die Anwendung wurde bereits von einigen sächsischen Ärzten erfolgreich genutzt.

Staatsministerin Petra Köpping: „Um die ambulante Versorgung sicherzustellen, müssen wir neue Wege gehen. Der technologische Fortschritt bietet hierzu hervorragende Möglichkeiten. Mit Hilfe des dermatologischen Telekonsils unterstützen und entlasten wir die Hausärzte vor Ort und die Dermatologinnen und Dermatologen in den angrenzenden Regionen. Wir reduzieren dabei gleichzeitig die Wartezeiten für die Patientinnen und Patienten und verbessern deren Zugang zur dermatologischen Versorgung.“

Dr. med. Klaus Heckemann, Vorstandsvorsitzender der KV Sachsen, erläutert: „Das innovative Projekt ‚Dermatologisches Telekonsil in der Hausarztpraxis‘ verbessert den Zugang zur dermatologischen Versorgung für die Patienten in der Region signifikant. Neben einer Entlastung der Fachärzte der umliegenden Gebiete, stärkt dieser Versorgungsbaustein die dermatologischen Kompetenzen der Hausärzte. Die Patienten erhalten auf hohem medizinischen Niveau zeitnah passende Therapien bei ihrem Hausarzt und müssen dafür keine langen Wartezeiten und Fahrtwege in Kauf nehmen. Aktuell nehmen 31 Ärzte aus 22 Hausarztpraxen aus der Region Löbau-Zittau an dem Projekt teil. Darüber hinaus konnten wir acht dermatologische Praxen als fachärztliche Ansprechpartner gewinnen und hoffen hier noch auf weitere Teilnehmer. Allen bereits teilnehmenden Praxen danken wir für ihr Engagement!“

„Seit Beginn des Jahres werden die Kosten für diese Art der Behandlung von den Krankenkassen übernommen, sodass sie für die Patienten mit keiner finanziellen Eigenleistung mehr verbunden ist. Wir danken allen Projektbeteiligten für die engagierte und ergebnisorientierte Zusammenarbeit, mit der wir das Ziel, die dermatologische Versorgung für die Patienten der Region wohnortnah sicherzustellen, so erfolgreich erreichen konnten.

Hierbei gilt unser besonderer Dank den sächsischen Krankenkassen, die das Projekt konstruktiv begleitet haben und über den Strukturfonds der KV Sachsen mitfinanzieren. Damit wurde eine wesentliche Hürde aus dem Weg geräumt“, äußert sich Dr. med. Sylvia Krug, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KV Sachsen.